Selten nur noch ist es mir möglich, den "Spiegel" oder SpOn ohne Ärger zu lesen; gelegentlich empfinde ich gar äußersten Widerwillen. Das Blatt, welches vom "Sturmgeschütz der Demokratie" zu einem Verbreitungsinstrument für neoliberalen Mainstream in eloquenter Verpackung verkommen ist.
Gerade drum fällt ein guter Artikel, eine nicht ferngesteuerte Meinung des Verfassers, der Versuch, ein Problem möglichst objektiv zu betrachten auf. So auch die beiden Artikel die mit dem Leyen' schen Internetkontrollwahn abrechnen:
1.) http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,628017,00.html und
2.) http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,619505,00.html
Zwar sind sie gut versteckt und es ist deshalb nicht anzunehmen, dass so Ahnungslose wie Brigitte Zypries ("Browser? Was ist jetzt noch einmal ein Browser?") -und deren dürfte es genügend geben- in die Verlegenheit kommen werden, sie zu finden und lesen zu können, aber dennoch: sie sind verfasst.
Mein Lob an die Redakteure.
PS.: Hier noch der Link zur Petition:
https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=3860
Mittwoch, 10. Juni 2009
Arbeit muss sich wieder lohnen
Urlaub im schönen Bayern, genauer Rinchnach in Niederbayern. Laufe dort an prunkvollen Häusern und Gehöften vorbei, schön anzusehen die weitläufigen Gärten, die großzügigen Häuser mit geräumigen Balkonen und Terassen. Eines dieser Anwesen - ein besonders feudales - gehört einem der zwei hiesigen Bäcker erfahre auf Nachfrage von meiner Frau, die ihres Zeichens hier geboren wurde.
Erstaunt stelle ich fest , dass das Bäckerhandwerk im Bayrischen wohl ein hochgelobter Beruf sein muss.
Etwas später, Kaffee bei einer ehemaligen Schulkamaradin, treffen wir auch tatsächlich jemanden, die dort arbeitet und erfahre unglaubliches: sie sei Bäckereifachverkäuferin, arbeite aber seit Jahren im Nacht- und Frühdienst in der Backstube jenes Bäckers. Toll, denke ich bei mir und auf die Frage, ob diese Schichtarbeit sich denn lohne, zuckt sie mit den Schultern. Sie bekäme wohl 100€ weniger als die beiden männlichen Kollegen, also so 1100€ im Monat. Mir erscheint die fürstliche Hütte vor Augen und denke mir meinen Teil. Aber dann kommt es noch besser: Sie und die beiden Mitarbeiter der Backstube würden abwechselnd für 2 Monate im Jahr "vom Chef stempeln geschickt" was dieser dann - und jetzt kommt der Hammer: als ihren Jahresurlaub ansehen würde! sie war Februar und März "stempeln" und müsse folglich den Rest des Jahres durcharbeiten!
Und "sozial ist, was Arbeit schafft"
Wie tief sind wir eigentlich schon gesunken?
Erstaunt stelle ich fest , dass das Bäckerhandwerk im Bayrischen wohl ein hochgelobter Beruf sein muss.
Etwas später, Kaffee bei einer ehemaligen Schulkamaradin, treffen wir auch tatsächlich jemanden, die dort arbeitet und erfahre unglaubliches: sie sei Bäckereifachverkäuferin, arbeite aber seit Jahren im Nacht- und Frühdienst in der Backstube jenes Bäckers. Toll, denke ich bei mir und auf die Frage, ob diese Schichtarbeit sich denn lohne, zuckt sie mit den Schultern. Sie bekäme wohl 100€ weniger als die beiden männlichen Kollegen, also so 1100€ im Monat. Mir erscheint die fürstliche Hütte vor Augen und denke mir meinen Teil. Aber dann kommt es noch besser: Sie und die beiden Mitarbeiter der Backstube würden abwechselnd für 2 Monate im Jahr "vom Chef stempeln geschickt" was dieser dann - und jetzt kommt der Hammer: als ihren Jahresurlaub ansehen würde! sie war Februar und März "stempeln" und müsse folglich den Rest des Jahres durcharbeiten!
Und "sozial ist, was Arbeit schafft"
Wie tief sind wir eigentlich schon gesunken?
Freitag, 29. Mai 2009
Vorbereitungen
Sie bereiten sich vor, bereiten vor, was Köhler in seiner letzten Berliner Rede bereits ankündigte: wir alle müssen zahlen für diese Krise. Du, die da drüben, ich, der auch. Der Chef des DIW - Zimmermann - weiß das; also Mehrwertsteuer rauf auf 25%, Löhne und Unternehmenssteuern runter-- achso, der gehört natürlich nicht zu allen. Feynsinn rät, sich warm anzuziehen http://feynsinn.org/?p=1120
Ich glaube, es ist an der Zeit zu frieren, keinen Schutz mehr vor dieser (mit-) menschlichen Kälte , geboren aus reiner Profit- und Machtgier, mehr anzulegen. Den Schmerz der absterbenden sozialen Extremitäten wie Alleinerziehende und deren Kinder miterleben zu müssen wird zur existentiellen Notwendigkeit.
Wann, frage ich mich, wird die Wut in diesem Lande groß genug, dass solche Kreaturen wie Klaus Zimmermann sich fürchten müssen?
Ich glaube, es ist an der Zeit zu frieren, keinen Schutz mehr vor dieser (mit-) menschlichen Kälte , geboren aus reiner Profit- und Machtgier, mehr anzulegen. Den Schmerz der absterbenden sozialen Extremitäten wie Alleinerziehende und deren Kinder miterleben zu müssen wird zur existentiellen Notwendigkeit.
Wann, frage ich mich, wird die Wut in diesem Lande groß genug, dass solche Kreaturen wie Klaus Zimmermann sich fürchten müssen?
Mittwoch, 27. Mai 2009
Stille?
Ich verstehe sie nicht - ich verstehe die Ruhe in diesem Land nicht, die Proteste, Strohfeuern gleich, verstummen immer wieder, viel zu leise und zu schnell.
Acht Millionen leben laut Statistik in oder hart an der Armut, Alleinerziehende und Kinder sind besonders betroffen, so die offiziellen Angaben. Leiharbeiter, die die gleiche Tätigkeit nebst dem Kollegen ohne Signaluniform verrichten, erhalten nur die Hälfte des Lohnes, Angestellte in Callcentern arbeiten auf Abruf und in Schicht für unter 1000€ im Monat, die vielen "einfachen" Angestellten in den "sozialen" Berufen in Krankenhäusern, Altenheimen und Kindergärten wird systemisch (danke, Angela, es ist Dein Begriff) die soziale und materielle Anerkennung verweigert.
Die Liste ist unendlich und sie beginnt spätestens Anfang der 80iger mit dem Lambsdorff-Papier deren Inhalte Kohl konsequent zu verwirklichen begann und Schröder perfektionierte. Ich erinnere mich noch an Schröders Worte, dass niemandens Status´ an den Zähnen erkennbar sein soll (http://www.news.at/articles/0311/30/52737/deutschland-schroeder-arbeitslosengeld) und wir heute eine Situation haben, in der ein postpubertärer Arbeitsunfähiger namens Missfelder die Alten am liebsten verrecken lassen möchte, ein Sarrazin, satt von Steuergeldern und einträglichen "Nebenjobs" Kastrationsgelüste gegenüber HartzIV-Empfängern hat, ein "Präsident" der Bundesärztekammer, ein gewisser Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe, sich offen für eine "Prioritätenliste der notwendigen Behandlungen" aussprechen kann ( http://ad-sinistram.blogspot.com/2009/05/die-selektionsrampe-ist-wieder_22.html ), der Tod wegen Armut in dieser Bundesrepublik Deutschland wieder wahrscheinlich wird...
Aber es geschieht nichts! Was ist also los in diesen Land?
Kürzlich hatte ich ein Gespräch mit einem sehr belesenen und differenziert denkenden Arbeitskollegen und der brachte es auf eine simple Formel: die, die eigentlich aufstehen, protestieren, ja, kämpfen müssten, werden mit HartzIV nebst Zusatzleistungen und garantiert kostemfreien Fernsehen stillgehalten, entmündigt, paralysiert.
Nicht viel hätten sie, diese Entmündigten, aber just soviel, dass ihr Stillhalten gewährleistet sei, der Fernseher als soziale Gruft.
Hat er recht, wenn er die Brotaufstände des 18. Jahrhunderts bemüht um die heutige Lethargie der Betroffenen zumindest im Ansatz zu erklären, annimmt, dass die Not hier in Deutschland nicht wirklich eine existentielle, sondern in der Tat nur eine relative sei?
Was aber regt mich denn auf: relativer Hunger? Gibt es den? Oder relative Bildungsarmut, relative Ausbildungs- und Arbeitsplatzchancen? Kann Gerechtigkeit relativ sein?
Warum ist es so still in dieser Republik?
Acht Millionen leben laut Statistik in oder hart an der Armut, Alleinerziehende und Kinder sind besonders betroffen, so die offiziellen Angaben. Leiharbeiter, die die gleiche Tätigkeit nebst dem Kollegen ohne Signaluniform verrichten, erhalten nur die Hälfte des Lohnes, Angestellte in Callcentern arbeiten auf Abruf und in Schicht für unter 1000€ im Monat, die vielen "einfachen" Angestellten in den "sozialen" Berufen in Krankenhäusern, Altenheimen und Kindergärten wird systemisch (danke, Angela, es ist Dein Begriff) die soziale und materielle Anerkennung verweigert.
Die Liste ist unendlich und sie beginnt spätestens Anfang der 80iger mit dem Lambsdorff-Papier deren Inhalte Kohl konsequent zu verwirklichen begann und Schröder perfektionierte. Ich erinnere mich noch an Schröders Worte, dass niemandens Status´ an den Zähnen erkennbar sein soll (http://www.news.at/articles/0311/30/52737/deutschland-schroeder-arbeitslosengeld) und wir heute eine Situation haben, in der ein postpubertärer Arbeitsunfähiger namens Missfelder die Alten am liebsten verrecken lassen möchte, ein Sarrazin, satt von Steuergeldern und einträglichen "Nebenjobs" Kastrationsgelüste gegenüber HartzIV-Empfängern hat, ein "Präsident" der Bundesärztekammer, ein gewisser Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe, sich offen für eine "Prioritätenliste der notwendigen Behandlungen" aussprechen kann ( http://ad-sinistram.blogspot.com/2009/05/die-selektionsrampe-ist-wieder_22.html ), der Tod wegen Armut in dieser Bundesrepublik Deutschland wieder wahrscheinlich wird...
Aber es geschieht nichts! Was ist also los in diesen Land?
Kürzlich hatte ich ein Gespräch mit einem sehr belesenen und differenziert denkenden Arbeitskollegen und der brachte es auf eine simple Formel: die, die eigentlich aufstehen, protestieren, ja, kämpfen müssten, werden mit HartzIV nebst Zusatzleistungen und garantiert kostemfreien Fernsehen stillgehalten, entmündigt, paralysiert.
Nicht viel hätten sie, diese Entmündigten, aber just soviel, dass ihr Stillhalten gewährleistet sei, der Fernseher als soziale Gruft.
Hat er recht, wenn er die Brotaufstände des 18. Jahrhunderts bemüht um die heutige Lethargie der Betroffenen zumindest im Ansatz zu erklären, annimmt, dass die Not hier in Deutschland nicht wirklich eine existentielle, sondern in der Tat nur eine relative sei?
Was aber regt mich denn auf: relativer Hunger? Gibt es den? Oder relative Bildungsarmut, relative Ausbildungs- und Arbeitsplatzchancen? Kann Gerechtigkeit relativ sein?
Warum ist es so still in dieser Republik?
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