Montag, 17. Januar 2011

Geistige Inkontinenz

Ein Kollege meinerseits verwendet obigen Terminus um sein Mißfallen ob den geistigen Leistungen einiger seiner Mitmenschen - hier Kollegen - auszudrücken. Er möchte wohl eine Affinität zwischen eben diesen Leistungen und fäkalen Endprodukten menschlichen Lebens herstellen - wobei der Unterschied zwischen beidem oftmals tatsächlich fließend und entsprechend schwer zu ertragen ist.

Anfangs überzeugte mich diese Begrifflichkeit, ich sah sie alle, die Merkels, Westerwelles, Sarrazins (und vielleicht auch Kollegen) wimmernd in ihren Betten Inkontinent sein und wahrlich, ich sage euch: kein schöner Anblick!

Aber dann dachte ich nach und bemühte Wikipedia. "Inkontinenz bezeichnet das Unvermögen bzw. die Unfähigkeit, etwas zurückzuhalten." Etwas. Aha. Es geht also nicht originär um Pisse, auch nicht geistige, sondern um Etwas - Etwas, was nicht zurückgehalten werden kann. Hab' ich mir erst einmal die negative Konnotation angeschaut, weil's einfacher ist. Und siehe da, ich bin ganz schnell bei Georg Schramm's Pissrinnen, wo das bisschen Intellekt, was die derzeitige "Elite" vorgibt zu haben, still und leise im Abfluss verschwindet. Und ich kann nur hoffen, dass die Putzfrau genug WC-Steine nachgelegt hat; es stinkt sonst so.

Und die positive? Ich tue mich seit geraumer Zeit schwer, mich zurück zu halten. Es drückt mir mehr als die Blase, wenn ich erleben muss, dass im kleinen, reichen Bad Kreuznach Kinder in der Hoffnung auf Essen um Pommesbuden schleichen. Ich hab' erhöhten Drang, wenn 4 Millionen Beschäftigte Geld vom Staat bekommen müssen - um zu leben. Es schadet meiner Kontinenz, wenn ein Mensch seinen Job verliert, aber im gleichen Moment bei der gleichen Firma den gleichen Job zu einem ungleichen Lohn machen muss, Zeitarbeit sei Dank. Ich bekomme urinalen Durchfall bei dem Gedanken, dass unsere hochdotierten Ärzte unter "Wettbewerb" behandeln oder eben nicht. Und wenn die Merkel mit Großmann und Ackermann (darf ich da nen Bindestich verwenden?) schnapsaufend heimelt und feiert dann reicht bei mir die XXL-Windel nicht mehr! Dann bin ich inkontinent in meinem Zorn, in meinen Worten, in meinen Gefühlen.

Und die Kaste, die uns derzeit gereicht wird, leidet eher unter Obstipation, einer Verstopfung: Eine Verstopfung der Moral, Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit.

Es ist zum Kotzen und ich bin inkontinent.


Kommentare:

  1. Zwar verwende ich tatsächlich "geistige Inkontinenz" zugegebenermaßen beim Lästern ganz gerne, also oft - wohlwissend der negativen Belastung, aber ich möchte mich doch davor verwahren, ich meinte damit intellektuelle Leistungen. Egal was, wieviel und wie wertvoll jemand denkt: wenn 'etwas' unter der Nase rauskommt, es aber besser drin geblieben wäre, dann ist das meine geliebte 'geistige Inkontinenz'. Der Kollege.

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  2. ;-) Ich sagte ja, daß sich der Begriff verselbständigt hatte.

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