Freitag, 13. August 2010

Gute Frage(n)

Feynsinn stellt eine ebenso simple, wie gute und notwendige Frage: wie ist es mit der Jugend und dem politischen Interesse? Quantitativ gesehen, ein stark beachteter Beitrag von flatter, aber wenn ich versuche, den Tenor der dort kommentierenden jungen Leute zu finden, so scheint es der zu sein, dass hier Ausnahmejugendliche schreiben deren Bekanntenkreis größtenteils 'einfach so' bis 'bewusst' apolitisch (oder gar antipolitisch) zu sein scheint.
Wenn dem so ist, und daran scheint es nur geringe Zweifel zu geben, stellt sich mir die Frage, wo denn die Unterschiede zwischen der extrem politischen Jugend der 60iger und 70iger, teilweise auch noch der 80iger Jahre und der der 90iger und folgende liegen.
Ökonomische Verhältnisse? Die waren und sind immer schon hervorragende Grundlage deutlicher politischer Diskurse und Aktionen. Nein, eher nicht; Hunger war 1970 weniger ein Phänomen als heute.
Die pädagogischen, psychologischen und soziologischen Nachwehen der Nazizeit? Möglich. Zumindest ist dieses Moment für die 2. und 3. Generation nach Endes des Krieges nicht mehr vorhanden. 1000 Jahre und Talare waren sicherlich Gegner gesunder jugendlicher Entwicklung und damit guter Grund, offen zu rebellieren und Alternativen zu suchen, sind es aber heute nicht mehr.
Die relativ neue Erscheinung der Informationsüberflutung, sei es durch die Medien und ihr informationelles "Fastfood", die Wirtschaft in Form der Werbung oder auch privat via facebook, twitter, email, sms etc.? Weggabe von Authentizität zugunsten austauschbarer Informationseinheiten und damit auch Verlust, nein Aufgabe von Identität, welche als Voraussetzung des ernstzunehmenden gesellschaftlichen Diskurses gelten kann?
Oder ist es doch die fortschreitende, sich totalisierende (um nicht zu sagen: totalitäre) Ökonomsierung unserer Zeit und der darin aufwachsenden Menschen, dieser viel zu kurz greifende Freiheitsbegriff, welcher sich in der "Freiheit" der Information und deren Beschaffungsmöglichkeiten sowie der "Freiheit" eines, auf wirtschaftliche Prozesse und Resultate reduzierten Begriffs vom Menschen beschränkt?
Oder doch paralysierende Angst vor einer ungewissen, als überwiegend negativ antitipierten Zukunft; vor dem Verlust des Ideellen bzw. den fehlenden Idealen - und weniger vor dem Nichterreichen wirtschaftlicher "Ideal"-Vorstellungen?
Ich bin der Meinung, dass jede Zeit ihre Ideale hat auch wenn die einer Ulrike Meinhof mit den heutigen nur bedingt vergleichbar sind, so stellt sich doch eine der zentralen Fragen an die Jugend, gleich ob 14 oder 29: gibt es Ideale und wenn ja, welche sind das? Und wie gilt es, diese zu erreichen?
Und wenn die Jugend "idealbefreit" durch die Welt taumelt, stellt sich weiter die Frage nach den Ursachen, nach der Verantwortung der "desillusionierten Alten" an diesem Zustand der nach meinem Dafürhalten untragbar ist.
Fragen über Fragen, sie werden nur im Gespräch mit den Jungen zu klären sein.

Kommentare:

  1. Ich weiß nicht, warum immer alle the next Generation als kritikfaul ansehen. Ich erlebe das ganz anders. Man muss das ja nicht am bloggen festmachen. Wobei aufällig ist, das gerade die jüngeren bloggern nach einer Weile zu den selben Schlüssen kommen wie die alten. Aber wenn ich mir die Kids in meiner Umgebung anschaue, ... na ja. Da werden einige alte Trantüten noch mächtig Pfeffer von ihren eigenen Kindern bekommen. Es ist sicher nicht die Art von Kritik, die wir erwarten, aber trotzdem kritischer als ihre Eltern. Ich hab da selber einen Teenager daheim, der mit seinen Kumpels, auch ganz ohne bloglesen, und absolut ohne Einwirkung von mir, zu bemerkenswerten Schlussfolgerungen gelangt, und die auch verteidigt. Selbst gegen ihre Lehrer.

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  2. Wenn Du dir die Kommentare bei flatter durchliest, wirst Du feststellen, dass the "next gerneration" sich selbst kritisiert - und wer kann das dann besser beurteilen.
    es war immer das Privileg (und auch irgendwie eine Notwendigkeit) der Jugend, gegen das "Alte", die festgefahrenen Regeln und Strukturen aufzubegehren; ich frage mich nur, warum das nachgelasssen hat.
    Lieber antiferengie, ein Mensch, dazu noch ein Teenager in Deiner nächsten Umgebung und Du nimmst politisch "absolut keine Einwirkung" ? Das glaubst Du nicht wirklich, oder?

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